Sensory Branding: Wie man Geschmack in Bild (und Ton) übersetzt

Sensory Branding: Wie man Geschmack in Bild (und Ton) übersetzt
Sensory Branding: Wie man Geschmack in Bild (und Ton) übersetzt

Die größte Herausforderung im digitalen Lebensmittelmarketing lässt sich physikalisch begründen: Bildschirme können weder riechen noch schmecken. Während der stationäre Handel mit Duftmarketing oder Verkostungen arbeiten kann, bleiben im digitalen Raum nur die Fernsinne – Sehen und Hören. Die Kunst des Sensory Brandings besteht darin, visuelle Reize so präzise zu setzen, dass sie im Gehirn des Betrachters eine synästhetische Reaktion auslösen: Den sogenannten „Appetite Appeal“.

Die visuelle Architektur des Geschmacks

Um Geschmack visuell zu „übersetzen“, reicht es nicht aus, ein fertiges Gericht abzubilden. Das Gehirn benötigt spezifische Schlüsselreize, um Textur, Temperatur und Konsistenz zu rekonstruieren. Diese visuelle Übersetzung stützt sich primär auf drei Säulen:

1. Die Vermittlung von Textur und Mundgefühl

Unser Gehirn speichert Erfahrungen mit Oberflächen. Um die Knusprigkeit eines Kekses oder die Cremigkeit eines Joghurts zu vermitteln, muss die Kamera extrem nah heran (Makrofotografie). Es geht um Details wie die Lichtbrechung in einem Fetttropfen, die Porosität einer Brotkruste oder den „Biss“ in einer knackigen Frucht. Wenn diese Details fehlen, bleibt das Bild flach und die Geschmacksrekonstruktion im Kopf bleibt aus.

2. Dynamik und der „Moment of Action“

Statische Bilder wirken oft leblos. Geschmack wird für den Betrachter erlebbar, wenn eine Handlung impliziert wird. Das „Dripping“ einer Sauce, das Zerbrechen einer Schokoladentafel oder der aufsteigende Dampf einer Suppe aktivieren die Spiegelneuronen. Der Betrachter stellt sich unbewusst vor, wie er die Handlung selbst ausführt, was direkt den Speichelfluss anregt.

3. Farbpsychologie und Temperatur

Farben sind die direkteste Verbindung zu Geschmacksassoziationen. Kühle Blautöne bei Erfrischungsgetränken signalisieren Frische und Kälte, während warme, erdige Töne bei Backwaren Sättigung und Geborgenheit vermitteln. Die präzise Steuerung der Farbtemperatur entscheidet darüber, ob ein Produkt als „frisch vom Feld“ oder „künstlich verarbeitet“ wahrgenommen wird.

Die Rolle der Umgebung: Kontextueller Geschmack

Ein Produkt existiert selten isoliert. Die Umgebung, in der ein Lebensmittel gezeigt wird, liefert entscheidende Hinweise auf das Geschmacksprofil. Ein Wein in einem rustikalen Weinkeller wird geschmacklich anders assoziiert als derselbe Wein in einer modernen Bar. Diese kontextuellen Informationen helfen dem Konsumenten, die Intensität und den Anlass des Genusses einzuordnen, noch bevor er das Etikett gelesen hat.

Randnotiz: Die auditive Ergänzung

Während die visuelle Ebene die Basis bildet, kann die auditive Ebene das Erlebnis vervollständigen. Audio-Branding und Techniken wie ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) nutzen spezifische Geräusche, um physische Reaktionen auszulösen. Das charakteristische Knacken beim Reinbeißen in eine Eiswaffel oder das Zischen beim Öffnen einer Getränkedose sind weltweit bekannte Anker. Obwohl die Produktion solcher Audio-Reize eine hochspezialisierte Disziplin darstellt, kann bereits eine dezente Untermalung von Videos mit authentischen Umgebungsgeräuschen die visuelle Botschaft verstärken und die Immersion vertiefen.

Fazit: Synästhetik als Strategie

Erfolgreiches Sensory Branding im Jahr 2026 bedeutet, die Grenzen der Hardware zu überwinden. Marken, die verstehen, wie man Licht, Textur und Dynamik einsetzt, um die fehlenden Sinne Riechen und Schmecken zu simulieren, schaffen eine tiefere emotionale Bindung. In einer digitalen Welt, in der Content im Überfluss vorhanden ist, entscheidet die Qualität dieser sensorischen Übersetzung darüber, ob ein Beitrag nur gesehen oder tatsächlich „erfühlt“ wird.

Die Herausforderung für Marketingmanager liegt darin, diese visuelle Sprache konsistent über alle Kanäle hinweg zu pflegen – von der ersten Social-Media-Anzeige bis zur Darstellung im Onlineshop. Nur eine kohärente visuelle Welt ermöglicht es dem Kunden, eine klare Geschmackserwartung aufzubauen, die beim ersten physischen Probieren bestätigt wird.

Sie möchten mehr über die Möglichkeiten dieser Food Foto- und Videografie erfahren? Sprechen Sie uns unverbindlich an unter hello@spoonful-solution.com.

Aktuelle Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert